Seeing New Beauty

NEUE SCHÖNHEIT SEHEN

Suchender: Wie kann man die Schönheit der Blume wahrnehmen, ohne sie besitzen zu wollen?

Guruji Sri Vast:

Wenn wir etwas Schönes sehen, dann möchten wir es gerne besitzen. Das ist der Grund dafür, dass so viel Schönheit in unserer Welt zerstört wird. Wenn Schönheit zu Besitz wird, dann ist sie keine Schönheit mehr. Doch man kann vor ihr stehen und sie ansehen – oh mein Gott, das ist so wunderschön! – und man ist von der Schönheit erfüllt. Dann geht man weiter. Und man wird mehr Schönheit finden. Wow! Großartig! Dann ist der ganze Weg mit Schönheit erfüllt. Doch was machen wir gewöhnlicher Weise? Wow! So schön! Schnipp! Wir schneiden sie ab. Dann gehe ich mit der Schönheit weg, denn jetzt bin ich befriedigt. Ich besitze die Schönheit. Dann sehen wir keine andere Schönheit mehr. Zu Hause stelle ich die Blume in ein Glas Wasser. Es ist vollbracht, sie steht auf meinem Esstisch. Ich schaue sie nicht mehr an! Am Abend ist die Blume verwelkt. Dann werfe ich sie weg und möchte am nächsten Morgen etwas Neues besitzen. Doch was, wenn ich die Blume nicht gepflückt hätte? So viele Menschen hätten sich an der Schönheit erfreuen können, so viele Menschen hätten sie wertschätzen können.

Besitztum nimmt die Schönheit weg. Wenn die Blüte mit der Pflanze eins ist, ist sie frei. Sie kann weiter blühen. Und selbst wenn sie herunterfällt, schafft sie dort etwas Schönes. Doch wenn wir sie mit nach Hause nehmen, benutzen wir sie nicht, wir werfen sie weg. Aber wenn die gleiche Blume dort herabfällt, gibt sie dem System etwas zurück. Es entsteht ein Kreislauf.

Es ist das gleiche mit Beziehungen. Dieser Mensch ist so schön! Was wollen wir? Wir wollen diese Person besitzen. Wir wollen diese Person besitzen, weil wir Angst haben, sie könnte nicht für uns da sein, nicht für uns allein. Indem wir diese Person besitzen, verschließen wir unsere Augen für all die anderen schönen Menschen in dieser Welt. Ich sage nicht, besitze nichts und flirte nur herum, davon spreche ich nicht. Ich sage nur, sobald du etwas besitzt, hörst du auf dich darum zu kümmern. Es ist bestätigt, dass das jetzt mir gehört. Und nach einer Weile ist es weg, die Blume ist nicht mehr dieselbe und die Person ist nicht mehr so schön. Weil wir entschieden haben, dass wir unser Ziel erreicht haben. Wir sehen die Schönheit nicht dauerhaft, denn sobald wir sie besitzen, ist es erledigt. Die Freiheit ist verloren.

Oder wenn du zu ersten Mal in den Garten gehst: Wow! Er ist so großartig! So schön! Und nach zwei Monaten? Hm. Den Garten habe ich schon gesehen. Doch das stimmt nicht! Der Garten ist jeden Tag neu. Jeden Tag gibt es eine neue Blume, jeden Tag ist das Gras neu, jeden Tag fällt eine alte Blüte herunter und eine neue erblüht, es gibt neue Pflanzen und neue Äste, jeden Tag ist der Garten ein Neuer. Unser unwissender Verstand speichert ein Bild und sucht nicht danach, es zu erneuern. Er bezieht sich sofort wieder auf das alte Bild. Doch der Garten ist jeden Tag ein neuer und der Garten, den du jetzt siehst, ist nur heute vorhanden. Denn morgen gibt es neue Blumen, neue Äste, neue Farben, neue Düfte, neue Träume. So ist dieser Garten nur heute verfügbar und morgen ist er ein völlig Neuer.

Es ist das gleiche mit einem Menschen. Ein Mensch ist immer neu. Jeden Tag ist ein Mensch neu. Und jeden Tag bist du eine neue Person. Du kannst dich nicht wegen deiner Vergangenheit verurteilen. Wenn du nicht dazu fähig bist, den Garten jeden Tag neu zu sehen, dann bist du auch nicht dazu fähig, in dir selbst jeden Tag eine neue Person zu sehen. Wenn du nicht dazu in der Lage bist, dich selbst jeden Tag neu zu sehen, fange mit dem Garten an. Sieh dir jeden Tag die Blume an. ”Oh mein Gott! Heute ist die Pflanze neu! Heute hat sie ein paar neue Blätter!” Finde eine Pflanze und betrachte sie jeden Tag: Wow! Es ist nicht mehr dieselbe Pflanze! Morgen: Wow! Es kommen neue Knospen und neue Äste! Also muss auch etwas mit mir passieren, etwas muss auch in mir neu sein. Alte Blüten fallen herab: Oh, es muss wohl auch etwas von mir abfallen. Du kannst sehen, dass etwas mit dir geschieht.

Finde, wie ein Kind, eine kleine Pflanze und beobachte sie jeden Tag. Du sagst: “Wow! Was ist heute mit dir passiert? Wie geht es dir heute? Und wer bist du heute?” “Oh, heute bin ich bin eine Pflanze mit vier Blüten. Heute bin ich eine Pflanze mit 18 Blättern und zwei davon sind neu.” ”Wow! Das ist toll!“ Da gibt etwas Neues! Und morgen gehst du hin und siehst dir die gleiche Pflanze an. ”Wie geht es dir heute? Und wer bist du heute?” Denn du kennst diese Pflanze nicht, du triffst eine völlig neue Pflanze. ”Oh, ich bin die Pflanze mit nur einer Blüte, aber heute habe ich drei neue Blätter. Und ich tanze und biege mich heute.” Aha! Etwas Neues. Etwas ist passiert. Sie hatte vier Blüten und heute hat sie eine neue. Etwas ist gegangen und etwas Neues ist hier. Vielleicht ist es auch so in mir? Etwas von gestern ist gegangen und heute blüht etwas Neues in mir, neue Düfte kommen zu mir. Du wirst sehen, wie du jeden Tag blühst, wie du jeden Tag eine neue Blume wirst, und dass dein Leben nicht stagniert. Schau dir die Pflanze für eine Woche an und du wirst sehen:” Ja, ich stehe nicht still, ich bin nicht bewegungslos, ich bin nicht die gleiche Person. Jeden Tag verändere ich mich. Jeden Tag entwickle ich mich. Jeden Tag bin ich neu. Meine alten Geschichten sind nicht mehr gültig.

Akzeptiere, dass so, wie etwas mit der Pflanze geschieht, auch etwas mit dir geschieht.

Wertschätze die Pflanze einfach. Und akzeptiere, dass etwas Neues mit dir geschieht, etwas Altes dich verlässt. Plötzlich wird sich das Konzept von der Blume und von dir, vom Beobachter und vom Objekt auflösen, nur das Blühen wird da sein – du und die blühende Blume.